WoDkA – Wochenmeinung Der kleinen Advokatin
Wenn ich darüber spreche, was ich am Jurastudium am anstrengendsten fand, ist es eigentlich immer das System, der Aufbau, der Umfang, den ich daran kritisiere. Die Inhalte fand und finde ich nach wie vor, immer interessant. Zu jedem Thema kann man in Zugang finden, mit dem es spannend wird.
Aber wie das Jurastudium aufgebaut ist, finde ich echt stressig.
Im ersten Semester kündigte ein Professor die Inhalte seiner Vorlesung damit an, dass er sich noch erinnern kann, wie er sie im Studium gelernt hat und auch seine Mutter meinte, dass sie sich noch erinnern könne, wie sie dieselben Inhalte im Studium lernte. Ich fand das schon damals eher verschreckend als cool. Gibt es tatsächlich Studieninhalte, die schon seit so langer Zeit vermittelt werden?
Aber Normen und Regelungen werden den Studierenden natürlich Jahre später, als sie gemacht wurden, beigebracht. Gesetze werden schließlich tendenziell eher mehr als weniger. Ich frage mich aber, ob man das Studium nicht lieber aktuellen Entwicklungen anpassen und die Studierenden nicht immer noch mehr lernen lassen sollte. Wieso die Inhalte nicht herunterbrechen oder das Studium z.B. mehr an Bachelorstudiengänge anpassen? Würde es nicht einer moderneren Lern- und Bildungsphilosophie entsprechen, den Stoff Stück für Stück abzufragen und nicht alles auf einmal? Das Konzept Grund-, Haupt- und Schwerpunktstudium ist doch noch ausbaufähig. Man könnte z.B. die Grundlagen schneller abschließen und dann fokussiertere Schwerpunkte schaffen, die auf verschiedene spezialisierte Examina hinauslaufen. Dann müsste am Ende nicht jede*r die gleichen umfangreichen Prüfungen schreiben. Sollten nicht die Stärken und Interessen der Einzelpersonen gefördert und die Menge des Stoffes und damit unnötiger Stress reduziert werden? Die Non-Profit-Organisation iur.reform führt schon lange Studien zu potenziellen Reformen des Jurastudiums beziehungsweise zu Meinungen zum aktuellen System durch. Den Zahlen lässt sich entnehmen, wie viele Studierende unzufrieden mit Aufbau und Konzept des Studiums sind. Die Ansätze sind hier aktuell, die erste juristische Prüfung zu reformieren und dabei sowohl die kritisierten Punkte des gegenwärtigen Systems zu adressieren, als auch die positiven Faktoren des deutschen juristischen Abschlusses beizubehalten. Es lohnt sich sehr, sich die Internetseite von iur.reform mal anzuschauen.
Ich persönlich sehe natürlich auch Gründe, warum es schwierig wäre, das Studium einfach umzukrempeln. Schließlich stünde dann irgendwann eine Generation von Jurist*innen gegenüber einer anderen, die grundsätzlich anders gelernt hat. Außerdem sehe ich auch Vorteile im aktuellen Aufbau des Studiums. Die juristischen Gebiete überschneiden sich nun mal oft. Würde man dem Ansatz folgen, spezialisierte Examina anzubieten, würde das übergreifende Verständnis, das man im aktuellen System erlangt, vielleicht verloren gehen.
All das ist wahrscheinlich viel mehr eine Kritik, die ich am generellen juristischen System und dessen Praxis habe. Ich finde, dass die Gesetze und die Rechtsprechung nicht zeitgemäß und den aktuellen politischen Vorgängen entsprechend sind. Diese Kritik überträgt sich dann auf das Studium. Das eine und das andere gehen nun einmal Hand in Hand. Man könnte aber beim Studium mit Modernisierung beginnen und so auch die des juristischen Systems vorantreiben. Es passiert in mancherlei Hinsicht schließlich auch schon. Den Bachelor of Laws finde ich persönlich einen sehr sinnvollen Ansatz.
Und ich bin mir sicher, dass sich die Prüfungskompetenz des*der Bundespräsident*in, von der schon Prof. Gersdorfs Mutter gelernt hat, wie umstritten sie ist, inhaltlich doch auch ein bisschen verändert hat.
Fia Josefine Schrader

