Ene mene muh – durchgefallen!


Über die Willkürlichkeit der Notenvergabe in der juristischen Ausbildung.

WoDkA – Wochenmeinung Der kleinen Advokatin

Dass Klausuren im Jurastudium nicht objektiv bewertet werden, merkt man spätestens im dritten Semester, wenn man seine Klausur mit „alle wesentlichen Probleme wurde gesehen und gut bearbeitet – 4 Punkte“ zurückbekommt, während die Kommilitonin, die in der Klausur fast ins falsche Rechtsgebiet abgebogen ist, fünf Punkte mehr absahnt.

Im Laufe des Studiums habe ich mich damit mehr oder weniger abgefunden. Aktuell warte ich jedoch auf meine Examensergebnisse und spüre nochmal wie im dritten Semester, wie stark man der Gunst und der Tagesform der Korrigierenden ausgesetzt ist – und das in einem Studiengang, in dem man praktisch nur auf seine Noten reduziert wird.

Vor einigen Tagen hat Clemens Hufeld, ein Doktorand der LMU München, eine Studie veröffentlicht, in der er 15 Drittsemesterklausuren mindestens 15-mal von verschiedenen Personen korrigieren lies und die Noten verglich. Durchschnittlich lagen dabei die beste und die schlechteste Bewertung einer Klausur über 6 Punkte auseinander. Schaut man sich den Datensatz an, bestätigen sich anscheinend die von vielen wiederholten Worte „im Jurastudium werden die Noten gewürfelt“.

Im Examen hat man zwar mit der Zweitkorrektur einen gewissen Schutz vor allzu großer Willkür, doch so richtig beruhigend ist das auch nicht. Schließlich kann man auch mit beiden Personen Pech haben und dadurch, dass die beiden Noten verrechnet werden, hat eine unfaire Korrektur immer noch direkten Einfluss auf die Note.

Das alles lässt einen mit einem unguten Gefühl zurück. Die meisten Studierenden bereiten sich mindestens ein ganzes Jahr auf ihr Examen vor – damit sie nach den zehrenden Klausuren auch noch hoffen müssen, dass die Sterne richtig stehen und ein gnädiger Korrektor mit guter Laune und mindestens einem Glas Rotwein intus ihre Klausur bewertet.

Und ja, es ist einfach, überall die „Das Jurastudium muss reformiert werden“-Keule zu schwingen, aber hier geht es eben um nahezu das einzige, worauf es am Ende des Studiums für die meisten ankommt – die Note. Die Bewertungskriterien müssen messbarer und nachvollziehbarer gemacht werden. Es kann nicht reichen, eine Korrektur mit drei Häkchen, drei generischen Sätzen und einer Note, die auf Bauchgefühl basiert, zurückzubekommen. Ein Lichtblick ist immerhin das in naher Zukunft kommende E-Examen, wodurch wenigstens eine Voreingenommenheit aufgrund des Schriftbildes ausgeschlossen wird.

Anne Hermsdorf


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