WoDkA – Wochenmeinung Der kleinen Advokatin
Als die Klausurbesprechung der großen Übung mit den Worten „Das Problem ist, Sie hören nicht zu!“ begann, dachte ich noch, es handle sich um einen kleinen Witz eines lockeren Profs. Als kurze Zeit später der Satz „Dann sollten Sie Jura schnellstmöglich abbrechen, bevor sie erst in einem Jahr scheitern!“ fiel, wurde ich eines Besseren belehrt.
Das hier war kein Witz. Und es war erst recht kein lockerer Prof. Was er sagte, kam merklich aus tiefster Überzeugung. Nicht nur zeigten die folgenden 15 Minuten Verachtung und lösen – zumindest bei mir – Entsetzen aus. Aussagen wie “Hätte ich eine solche Leistung bei meinen Professoren damals gebracht, dann hätten sie mich geradewegs in die Tonne gekloppt. Und völlig zu Recht!” zeigen dazu noch eine ordentliche Portion Überheblichkeit.
Drei wissenschaftliche Mitarbeiter*innen stehen seltsam lächelnd daneben. Einer wirft ein, dass die Klausur mit einer Durchfallquote von 20 % gar nicht schlecht ausgefallen sei. Es wirkt, als wolle er seinen aus der Haut gefahrenen Chef beschwichtigen. Der Prof lässt sich nicht beirren und verweist darauf, dass ein ganz ähnlicher Fall vorher besprochen wurde. Recht hat er. Doch ist das eine Garantie dafür, dass nur jene durchfallen, die schleunigst mit Jura aufhören „sollten“? Mitnichten. Jede*r von uns wurde trotz Vorbereitung schon mal kalt von einem Thema erwischt. Und keine*r von uns sollte sich deshalb derartigen Aussagen ausgesetzt sehen.
Die Klausurbesprechung? Sie wurde nach guten 20 Minuten beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Schließlich würden wir ja ohnehin alle nur unseren Stempel wollen. Auch wenn ich diesen Stempel für die Remonstration glücklicherweise nicht benötige, hege ich ein zutiefst ungutes Gefühl in mir. Ich bin entsetzt und habe das Gefühl, dass mir Unrecht getan wurde. Man kann das Verhalten von Studierenden kritisieren, man kann Versäumnisse in der Vorbereitung aufzeigen. Als guter Prof sollte man das womöglich auch. Doch all das hat Grenzen. Um also auf meine anfängliche Frage zurückzukommen, wie viel Erniedrigung es sein darf: gar keine.
Anonym
