WoDkA – Wochenmeinung Der kleinen Advokatin
Alle Jahre wieder: Die komplette Stadt wird vollgekleistert mit Plakaten über Plakate und dabei sind es
noch nicht mal gute. Gerade die einer gewissen „C-Partei“. EIN Wort? Glauben die Parteien wirklich
das überzeugt Menschen? Dann auch noch solche unfassbar vagen und auslegungsbedürftigen Begriffe
wie „Freiheit“. Ernsthaft? Das kann buchstäblich alles heißen. Frei von wem? Von was? Die Freiheit
was zu tun und was zu unterlassen? Ein Hauptthema bei der Kommunalwahl war bei vielen Parteien
auch „billigerer Wohnraum“, zurecht. Aber dann nur den Satz auf das Wahlplakat zu drucken, dass sie
wollen, dass Wohnen billiger wird, ist einfach dreist. Denn das wollen ja fast alle. Was erwarten sie als
Reaktion? Beifall? Warum sagen sie nicht einfach, wie sie vorhaben, das zu erreichen. Natürlich kann
man nicht einfach das ganze Wahlprogramm auf ein Plakat drucken. Aber die Parteien kriegen so viel
Steuergelder und geben generell so viel Geld für Wahlkampf aus, da kann man doch mal jemanden
engagieren, der Sachen auf den Punkt bringen kann und sie drucken dann einfach ihre gekürzten
Lösungswege auf die Plakate. Es sei denn… sie haben gar keine wirkliche Lösung?
Oder „Besonnen handeln – SPD wählen“. Glauben sie wirklich, sie kriegen die Stimmen der Wähler,
die sonst zu den Freien Sachsen gegangen wären, dadurch, dass ihnen durch ihr Plakat bewusst wird,
wie „unbesonnen“ es doch war, als Protest eine Nazi-Partei zu wählen? Ihr Selbstbewusstsein hätte ich
gern. Für Leute, die sich unter „Besonnen handeln“ nichts vorstellen können: Es meint im Grunde, mal
nicht auf Lücke zu lernen. Oder bei der Suppe wirklich zu warten, bis sie abgekühlt ist und sich nicht
die Zunge zu verbrennen. Oder auch mal nicht darauf vertrauen, dass der Prof zu spät kommt und nicht
nochmal auf „snooze“ zu drücken. Ich weiß nicht, ob SPD wählen auch in diese Aufzählung gehört.
Aber mal ein anderer Ansatz: Wie wäre es, wenn sie selbst mal besonnen handeln und uns nicht sagen,
was wir zu tun haben? „Für die Sicherheit, die wir stärken werden“, inwiefern? Ist es zu viel verlangt,
in diesen „Satz“ noch ein „indem“ +Lösungsweg oder ein „durch“ +Lösung einzubauen?
„Arbeitsplätze schützen“. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie ihr in der Luft zerrissen worden wärt,
hättet ihr in einer Klausur einfach nur Aussagen auf das Blatt gekritzelt, ohne sie in irgendeiner Art
und Weise zu begründen. Aber als Politiker kann man sich das erlauben? Oder in Mathematik: Wenn
du als „Antwort“ auf eine ellenlange Textaufgabe einfach nur schreibst, dass x bestimmt werden muss,
kriegst du nicht mal mehr eine Mitleids-5. „Machen, was zählt“ Hallo? Geht`s noch unkonkreter?
Sie könnten Wahlplakate auch einfach ganz weglassen. Es wird in allen Medien und durch
Posteinwurfsendungen auf modernerem und vor allem umweltschonenderen Wege Werbung gemacht,
dann muss doch nicht auch noch jeder einzelne Laternenpfahl „verschönert“ werden. Wenn ich
unterwegs zur Uni bin, will ich nicht an tausenden mich angrinsenden Gesichtern auf 3 x 3 Meter
großen Plakaten vorbei gehen müssen. Als könnte mich das von der bevorstehenden
Schuldrechtsvorlesung ablenken und das aus dem Bett quälen wieder gut machen. Oder noch ein
anderer Vorschlag: wieder zurück zu solchen Plakaten aus dem 20. Jahrhundert, die man in
Geschichtsklausuren analysieren musste. Zum Beispiel folgendes aus 1932:

Wenn mich eine Emotion mitreißen kann, dann ist es die Angst im Gesicht des Pferdes. Da überlege
ich mir gleich zweimal, wo ich mein Kreuz mache und verschiebe mein Kaffeekränzchen am
Wahlsonntag doch um eine Woche.
Aber Spaß beiseite, zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Parteien entweder das Team,
welches bis jetzt für die Plakatwahlwerbung zuständig war, feuern und sich jemand kompetenteren
holen oder sie lassen Wahlplakate einfach ganz und versuchen sich an moderneren und klimaneutralen
Formen der Wahlwerbung.
Aber wisst ihr wer nicht mit Wahlplakaten mit unnötigem und nervigem Inhalt die Innenstädte
zuklebt? Der FSR beziehungsweise die dafür kandidierenden Studenten und Studentinnen. Vom 18.
Bis zum 25. Juni finden sie online über die StRa-Onlineseite statt. In letzter Zeit wurde in allen
Medien so viel darüber berichtet und aufgefordert, unbedingt zur Europawahl zu gehen (zu Recht!),
doch auch das Wählengehen auf Hochschulebene darf nicht vergessen werden. Also nutzt eure 3
Stimmen und geht wählen!
Ruth Großmann

