WoDkA – Wochenmeinung Der kleinen Advokatin
Jeder kennt diesen Spruch – jeder hasst ihn. Es ist die ewig zeitlose Antwort grummelig-mittelalter
Inspirationsloser auf die Kritik junger Menschen an jedem noch so fragwürdigen status quo. Egal ob
miserables Kantinenessen und motivationsraubende Lehrer*innen in der Schule, sobald sanfte Kritik
geäußert wird, passt diese Antwort scheinbar immer.
Und heute kommt sie von mir.
Egal mit welchem hochgeschätzten Mitglied meiner Bubble ich mich unterhalte, alle sind schockiert
oder entrüstet oder bedrückt von den Ergebnissen der Wahlen vor zwei Wochen. Sie fürchten die
nächste im September und die übernächste im kommenden Jahr. Zudem kritisieren sie (völlig zu
Recht) das Gebaren der moderaten politischen Kräfte – gewaltsame Abweisung von Flüchtenden an
der europäischen Außengrenze, Einsparungen im öffentlichen Sektor zugunsten der Schuldenbremse,
Katarina Barley macht Wahlwerbung mit CumEx Olaf.
„Aber was kann ich denn schon bewirken?“ Diese Frage wird sich jeder Person aufdrängen, die gern
Dinge verändert sehen würde, aber nicht an Hybris leidet. Und ich möchte sie voller Hybris
beantworten: „Alles“. Vor den letzten beiden Europawahlen gab es in Deutschland
Protestbewegungen, 2019 für bessere Klimapolitik, 2024 gegen die AfD.
Damals waren die Grünen die klaren Wahlgewinner. Doch diesmal war es die AfD! Oder?
Erinnern wir uns ein halbes Jahr zurück. Vor den landesweiten Protesten gegen rechts standen die
Verfassungsfeinde in landesweiten Umfragen konstant bei über 20%. Ihr Wahlergebnis: 15,9%.
Umgekehrt erreichten die Grünen bei der Europawahl 2019 20,5% – als die Proteste von fridays for
future im August 2018 begannen, lagen sie in den Umfragen bei 15%.
Proteste wirken. Durchhalten wirkt.
Und wem die Teilnahme an Protesten für eine lebenswerte Zukunft nicht recht, wer mehr tun will als
mit dabei zu sein – der muss sich einfach nur aufraffen und anfangen. Jede politische Organisation
hat eine Ortsgruppe in deiner Nähe, der ganz sicher noch motiviertes Personal fehlt, das fehlt
schließlich immer und überall. Auch du kannst heute die Entscheidung treffen, ob in 15 Jahren immer
noch mit „Maß und Mitte“ von Parteien geworben wird, deren Gründungsidee war, die Mehrheit der
Bevölkerung gegen die Unterdrücker (hier tatsächlich ohne *innen) mit Kapital zu verteidigen.
Wenn auch du nicht mehr mit ansehen und schweren Herzens ertragen willst, wie unsere
Lebensgrundlagen von Morgen und die Menschenrechte so vieler schon heute systematisch
misshandelt werden, dann steh endlich auf – und mach’s besser.
Robert Perl

