Reoccupy Schwarz-Rot-Gold!

WoDkA – Wochenmeinung Der kleinen Advokatin

Endlich ist es so weit. Heim-EM. Europa kommt nach Deutschland. Europa zu Gast
daheim.
Zumindest in Leipzig scheint das EM-Fieber noch nicht so richtig ausgebrochen zu sein.
Kaum Nationalmannschaftstrikots, kaum Schwarz-Rot-Gold an Fenstern, Balkonen oder
Autoscheiben. Die Erinnerung an die Heim-WM 2006 ließ anderes erwarten.
Wen wundert es, eine Woche nach einer Europawahl, die Sorgen vor
wiederaufkommendem Nationalismus hervorrief, die Angst vor vergangenen Zeiten
erneut verstärkt zu haben scheint.
Nach einer solchen Wahl Schwarz-Rot-Gold?
Seit Jahren geben wir Symbole preis, die eigentlich im Dienste unserer Sache stehen.
Wir, die zu Jahresanfang zu Millionen auf die Straßen gingen, um Zeichen gegen rechten
Extremismus zu setzen. Wir, die im Mai zu Millionen 75 Jahre Grundgesetz feierten. Wir,
die vor wenigen Tagen zu Millionen ein Kreuz für Europa machten. Wir, die große
Mehrheit, die hinter Freiheit, Vielfalt und Demokratie in Deutschland steht.
Seit Jahren versuchen jene diese Symbole zu vereinnahmen, die das freiheitliche,
vielfältige und demokratische Deutschland verachten. Jene, für die Deutschland an erster
Stelle steht, vor dem einzelnen, vor den anderen.
Die deutsche Trikolore ist Symbol gegen Autoritarismus, gegen Extremismus, gegen
Fremdenfeindlichkeit. Sie entsprang der deutschen Freiheitsbewegung, war Flagge des
ersten deutschen demokratischen Verfassungsstaates, Widerstandssymbol zur Zeit des
Nationalsozialismus, Symbol der friedlichen Revolution gegen SED und Staatssicherheit.
Sie ist zweifelsohne Symbol der Freiheit, Symbol der Demokratie.
Das Trikot der Nationalmannschaft ist Symbol einer Mannschaft aus 26 Spielern. Spieler,
die in Greifswald, Gelsenkirchen, Kaiserslautern oder Stuttgart geboren wurden. Mit
Eltern aus Brandenburg an der Havel, Castrop-Rauxel, Dakar, Falkensee, Olmaliq,
Bamberg, Dursunbey, Viranşehir oder Rottweil. Namentlich Antonio, David, Jonathan,
Marc-André, Jamal, Thomas, Toni, Leroy oder Waldemar. Mit normale Kartoffel auf die
eins oder doch lieber Gnocci.
Ist es nicht großartig, dass wir diese Symbole haben? Dass wir sie nutzen könnten, um
zu zeigen, dass wir für Freiheit, Vielfalt und Demokratie in Deutschland stehen? Die EM
bietet die Gelegenheit. Holen wir uns unsere Symbole zurück. Zeigen wir, wofür wir
stehen. Die schwarz-rot-goldene Fahne und das Nationalmannschaftstrikot lassen sich
ausgezeichnet mit einer Europa- oder Regenbogenflagge kombinieren.
Niklas Garke


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