WoDkA – Wochenmeinung Der kleinen Advokatin
Tierschutz, Jugendhilfe, Übungsleitung – Ehrenämter finden sich überall. Und ja, gerade neben dem Jurastudium ist und bleibt es ein Balanceakt im Zeitmanagement und erfordert manchmal einiger starker Nerven, um der Überforderung zu entgleiten. Doch Leute – es lohnt sich!
Als junger Mensch wird man in Deutschland gut gebraucht – vielleicht sogar mehr denn je. Zu verdanken haben wir das vor allem dem demographischen Wandel, der Klimakrise und der schwächelnden Einwanderungspolitik. Zu spüren kriegen wir Studis das unter anderem auch während der unbezahlten Vollzeitpraktika, bei denen wir häufig genauso fest eingeplant werden wie die Festangestellten.
Ob man überhaupt einem Ehrenamt nachgeht oder nicht, das ist natürlich jedem selbst überlassen. Ob man jedoch seinem Wunsch nach einem Ehrenamt nachgehen KANN, wenn man gerne würde, das sollte nicht unser Stundenplan und erst recht nicht das Repetitorium für uns entscheiden.
Ich persönlich zumindest habe mich schon häufiger mit der Herausforderung herumgeschlagen, zu überlegen, ob ich die Zeit und Energie für ein Ehrenamt neben dem zeitintensiven Jurastudium aufwenden möchte bzw. kann. Und auch bei vielen Kommiliton*innen bekomme ich mit, wie sie reihenweise ihre Ehrenämter pausieren oder niederlegen, wenn sie in das Rep starten. Das ist schade und für die Gesellschaft mindestens genauso wenig erstrebenswert, wie für uns selber.
Das Ehrenamt heißt schließlich nicht ohne Grund „Motor der Demokratie“. Denn wir sind darauf angewiesen, dass Leute diese Arbeit übernehmen. Die unbezahlte, freiwillige Nebentätigkeit spielt ja nicht nur in Kultur, Bildung und Sport eine entscheidende Rolle, sondern auch im sozialen Bereich, in Umweltprojekten, in der Nachbarschaftshilfe sowie in der Kommunalpolitik. Die Möglichkeit, sich selbst neben dem Studium etwas auszuleben und sich danach sogar noch mit einem guten Gewissen ins Bett legen zu können. Schöne Vorstellung!
Doch meines Gefühls nach steht das Ehrenamt fast immer im Schatten unserer Examensvorbereitung und auch davor erntet man für diese Tätigkeit im Kreise der Jurastudis nicht ganz so viel „Ehre“ und Anerkennung wie in vielleicht anderen Studiengängen. Dabei zeigt ein Ehrenamt doch eigentlich gerade, was alles erreicht werden kann, wenn Leute für ein bestimmtes Thema brennen und wie Engagement in einer sozialen, weniger gewinnorientierten Gesellschaft funktionieren könnte.
Wenn wir jedoch mit unseren unternehmungsdurstigen Köpfchen immer nur zwischen Paragrafen rumhängen, wo bleibt dann noch die Zeit für den Gemeinnutz? Der Sprint vom Hörsaal zum Ehrenamt, die Doppelrolle des Studis und Freiwilligendienstlers, das Drahtseil der Zeit, über welches wir alle vorsichtig hinüber tanzen… Es ist bestimmt eine gewisse Herausforderung, das stimmt. Aber ich appelliere trotzdem an euch: probiert es aus!
Lasst euch nicht abschrecken von den mangelnden Informationsmöglichkeiten der Uni, geschweige denn der Motivation durch das Unipersonal und der Juraprofs. Wenn kein Ehrenamt in Leipzig – wo dann? Es gibt tausende Möglichkeiten! Lasst euch inspirieren und nutzt das Jurastudium allein nicht als Grund euch diese Chance entgehen zu lassen. Ich verspreche euch: ihr werdet bereichert wieder herauskullern – umso stolzer, wieder mal eine Hürde mehr überwunden zu haben. Und je mehr Leute, je mehr Jurastudis am Strang des Ehrenamts ziehen, desto mehr Respekt wird die Form dieser wertvollen Arbeit ernten.
Frieda Keil

