WoDkA – Wochenmeinung Der kleinen Advokatin
Es wird an den wenigsten vorbeigegangen sein: wie Sticker an allen Ecken der Universität verkünden, geht die Bestrebung die Juristenfakultät umzubenennen in die nächste Runde.
Angestoßen durch die studentische Initiative Juristische Fakultät Jetzt! kamen am 20.01.2025 Studierende und Mitarbeitende zu einem ersten Plenum zusammen, um nächste Schritte zu diskutieren. Unterstützung erhält die Initiative aus dem StuRa und wohl auch vom FSR. Tatsächlich eine Umbenennung beschließen könnte allerdings nur der Fakultätsrat, der sich unter anderem aus Lehrkräften, Wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Studierenden zusammensetzt.
An diesem Fakultätsrat war 2021 ein erster Umbenennungsversuch gescheitert. Die Ablehnung wurde damals mit den Kosten und dem Namen als Alleinstellungsmerkmal begründet. Zudem wurde darauf verwiesen, dass der der Name ja alle „mitmeine“ und es wichtigere gleichstellungspolitische Fragen gäbe.
Abgesehen davon, dass man sich schon fragen darf, welche wichtigeren gleichstellungspolitischen Fragen seit 2021 geklärt wurden, ist auch fraglich, ob wir uns als Fakultät tatsächlich vor allem durch einen besonders unzeitgemäßen, überholten Namen auszeichnen wollen. Und auch sonst scheint der Fakultätsrat damals die Bestrebungen vor allem mit Scheinargumenten abgebügelt zu haben:
Die Universität Leipzig bekennt sich in ihrer Grundordnung klar zur Förderung der Gleichstellung und betont in ihrem Gleichstellungsplan den Abbau struktureller Benachteiligung und den Einsatz präventiver Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung. Die Verwendung geschlechtergerechter Sprache in offiziellen Dokumenten und Kommunikationsmitteln der Universität wird dabei ausdrücklich empfohlen. Wie die Bezeichnung Juristenfakultät mit dieser Zielsetzung vereinbar sein soll? – Rätselhaft.
Verweist man in diesem Kontext auf das allseitsbeliebte „mitmeinen“ nicht-männlicher Personen, verkennt man die historischen und wissenschaftlichen Realitäten: Der Begriff Juristenfakultät wurde in einer Zeit geprägt, in der Frauen* der Zugang zu universitärer Bildung verwehrt wurde. Erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden Frauen* in Deutschland überhaupt zum Studium zugelassen – vorher meinte der Name Juristenfakultät buchstäblich eine Fakultät bestehend aus ausschließlich männlichen Personen, Frauen* waren ausdrücklich nicht „mitgemeint“. Die Bezeichnung ist somit ein Relikt dieser patriarchalen Vergangenheit, die dringend einer kritischen Auseinandersetzung bedarf.
Zwar trennt die deutsche Grammatik zwischen dem biologischen Geschlecht und dem grammatikalischen Geschlecht, woraus das Konzept des generischen Maskulinums erwächst, allerdings weckt dessen Verwendung erwiesenermaßen vornehmlich männliche Assoziationen. Frauen* fühlen sich von den Bezeichnungen also weder angesprochen, noch werden sie tatsächlich mitgedacht.
Es kann doch nicht zu viel verlangt sein, dass eine Fakultät, deren Studierende zu 61 % weiblich sind, einen Namen erhält, der eben diese Personengruppe nicht in den Schatten der Generik verbannt.
Die Ungleichheit ist auch heute noch ein strukturelles Problem und spiegelt sich nicht zuletzt in der Art und Weise wie die Umbenennungsdebatte geführt wird. Ja, es gibt viele offene Fragen, insbesondere was Kosten und Finanzierung angeht und ja, es gibt bestimmt „wichtigere“ Themen auch zum Thema Gleichstellung. Aber was hier passiert, ist leider typisch für die meisten Gleichstellungsbestrebungen: Anstatt darüber zu sprechen, wie eine Umbenennung möglichst effizient und kostenschonend umgesetzt werden kann, muss wieder in erster Linie verargumentiert werden, dass eine solche überhaupt notwendig ist – obwohl die Gründe so unfassbar offensichtlich, wissenschaftlich fundiert und vor allem moralisch geboten sind.
Bleibt zu hoffen, dass die Initiative Juristische Fakultät Jetzt! einen langen Atem beweist und der Fakultätsrat schließlich den Mut hat ein deutliches Signal für Gleichstellung und Inklusion zu setzen, damit wir alle diesen überholten Namen endlich dort lassen können, wo er hingehört: in der Vergangenheit.
Bis dahin: Informiert euch, beteiligt euch, schließt euch an.
Juristische Fakultät Jetzt!

