Wie 1964 mit Trainer Alfred Kunze in unserem Meisterjahr

WoDkA- Wochenmeinung Der kleinen Advokatin

Auch wenn sich Chemie Leipzig bisher eher mühsam durch die Saison schleppt und in diesem Jahr den Blick mehr bangend ans untere Ende der Tabelle wenden muss, als hoffnungsvoll nach oben, engagiert man sich auch in Leutzsch für die kürzlich entstandene Initiativgruppe zur Aufstiegsreform der Regionalliga. Diesem offiziellen Zusammenschluss gehören neben Chemie auch alle anderen Regionalligisten der Nordost-Staffel an, mit Ausnahme des Investorenvereins FC Viktoria 1889 Berlin. Vor kurzem erfuhr die Initiative um die Aufstiegsreform durch einen Brandbrief der beteiligten Ostklubs an den DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf auch wieder neue Brisanz.

Doch was ist überhaupt der Ursprung des Aufruhrs? Hintergrund ist die Aufstiegsregelung die für die fünf Regionalligen (Süd, Südwest, Nord, Nordost und Bayern) gilt. Diese wurde 2017 als Übergangslösung beschlossen und sollte eigentlich nur bis 2019 als solche gelten. Doch inzwischen schreiben wir das Jahr 2025 und das, was schon damals als Übergangslösung ausgerufen wurde und nie etwas anderes sein sollte, hat bis heute bestand. Diese Regelung sieht vor, dass die Meister der Staffeln Süd und Südwest jedes Jahr ohne Ausnahme, aufgrund der hohen Mitgliederzahlen der Vereine in dieser Region, aufsteigen dürfen. Dagegen kommt  der Staffel Bayern, Nord und Nordost dieses Recht auf einen festen Aufstiegsplatz durch ein Rotationsverfahren zwischen diesen drei Regionalligen nur alle drei Jahre zu. Erhält beispielsweise in einem Jahr durch die Rotation eines sicheren Aufstiegsplatzes, diesen die Staffel Nordost, hat das zur Folge, dass der Erstplatzierte der Staffel Bayern gegen den Erstplatzierten der Staffel Nord in zwei Relegationsspielen gegeneinander antritt, um darüber die Vergabe des letzten verbleibenden Aufstiegsplatz zu entscheiden. Der Verlierer der Aufstiegsrelegation steigt demnach nicht auf und muss auch in der kommenden Saison wieder in der Regionalliga antreten und das, obwohl er Meister wurde. Der Zusammenschluss der 17 Vereine aus der Regionalliga wirft dem DFB vor, dadurch den Grundsatz des Fairplays zu verletzten, den gerade der DFB immer wieder als zentrale Säule des Sports hervorhebt.

In dem offenen Brief an den DFB-Präsidenten Bernd Neundorf fordern die 17 Vereine der Regionalliga Nordost den DFB dazu auf „sich unverzüglich mit ganzer Kraft in diesen Prozess einzubringen und gemeinsam mit allen Beteiligten eine faire Lösung zu erarbeiten“. Nachdem der DFB erfolglos versucht hatte, die Ausarbeitung eines neues Aufstiegskonzepts an die unteren Landesverbände zu delegieren, sei es nun an ihm selbst, Verantwortung zu übernehmen „um gemeinsam eine tragfähige und faire Reform bis zum Sommer zu erarbeiten, damit dann beim DFB-Bundestag im November ein mehrheitsfähiger Beschluss getroffen werden kann.“

Dass es der Initiative ernst ist, hatte Ralph Grillitsch, seines Zeichens Präsident von Carl Zeiss Jena ,bereits bemerkbar gemacht, als er verheißungsvoll andeutete: „Die organisierten Fanszenen aller Vereine stehen zu 100 Prozent hinter uns und sind untereinander im Austausch. Wenn es mit den Verbänden nicht vorwärts geht, wird es – ohne dass wir da etwas steuern – von sich aus zu Aktionen in der Regionalliga Nordost kommen.“

Der Vorschlag für eine Aufstiegsreform der Regionalligen, dem bisweilen die besten Aussichten auf Umsetzung zugeschrieben werden, sieht vor, dass die fünf Regionalligen zu vier Regionalligen zusammengeschlossen werden. Danach gäbe es nur noch die Staffeln Nord, Ost, Süd und West. Gleichzeitig würden dann die vier Regionalligen von 18 auf 20 Mannschaften aufgestockt werden. Ein ähnliches Konzept existierte bereits als drittklassige Regionalliga in den 1990er Jahren. So würden Meister aufsteigen und es gäbe 80 statt bislang 90 Regionalliga-Teams in Deutschland.

Am Ende der Entscheidung sollte nur eines klar sein: Meister müssen Aufsteigen, wie Chemie 2026 😉

Maximilian Kothmann


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