WoDkA – Die Wochenmeinung Der kleinen Advokatin
Warum sind unsere Feiertage trotz der Säkularität in Deutschland noch fast ausschließlich christlich geprägt?
Ostern steht mal wieder vor der Tür! Und auch ich sitze gerade im Zug auf dem Weg zu meiner Familie. Dabei hab ich mich – wie schon häufig – mal wieder gefragt, warum ich genau dieses Wochenende nach Hause fahre. Ich könnte meiner Familie ja auch genau so gut jedes andere Wochenende einen Besuch abstatten. Wir sind ohnehin alle atheistisch und haben mit der christlichen Religion auch sonst erstaunlich wenig am Hut. Nur Weihnachten und Ostern – das wird trotzdem jedes Jahr wieder als festgelegte Besuchszeit bei allen eingespeichert. Praktisch ist es auf jeden Fall, dann haben wenigstens alle mal Zeit.
Aber wie kann es im Jahr 2025 noch sein, dass fast alle Feiertage in Deutschland christlich geprägt sind, obwohl Staat und Kirche jetzt schon seit Jahrzehnten getrennt sind? Und obwohl immer weniger Menschen der christlichen Religion nachgehen? Und obwohl es unzählige andere religiöse Strömungen gibt, die in unserem Land ihre Vertreter*innen finden?
Auch wenn ich weiß, dass die Festlegung der Feiertage Ländersache ist und eine bundeseinheitliche Regelung daher sehr schwer wird, appelliere ich dennoch daran, unserer Feiertagsregelungen zu modernisieren und anzupassen an eine wachsende multireligiöse und pluralistische Gesellschaft.
Am Zahn der Zeit wäre es auch, unsere Feiertage mit relevanten politischen Ereignissen oder besonders ehrenwerten historischen Persönlichkeiten zu besetzen, welche unsere Demokratie und unsere Freiheitsrechte geprägt haben. Dadurch würden viele von uns auf diese Ereignisse vielleicht erst aufmerksam. Ein Beispiel kann man sich dabei an Berlin nehmen. Unsere Hauptstadt hat den 08.03. – den internationalen Weltfrauentag – seit 2019 zu einem neuen gesetzlichen Feiertag ernannt. Dadurch haben alle Interessierten die Möglichkeit, ihrem politischen Willen an diesem Tag Ausdruck zu verleihen und auf die Straße zu gehen.
Klingt irgendwie cooler, als am 24.12. auf den Weihnachtsmann zu warten, für den es im Übrigen auch mal an der Zeit wäre, sich als Weihnachtsfrau zu entpuppen…
Ich wünsche euch allen ein schönes langes Wochenende, egal ob mit oder ohne traditioneller Anknüpfung!
Frida Keil

