WoDkA – Die Wochenmeinung Der kleinen Advokatin
Eine Filmreihe die mehr bedeutet als nur Kino.
Rückkehr ist der Titel, unter dem das Leibniz Institut für Jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, in den Passage Kinos zurzeit eine Filmreihe anlässlich des 80. Jahrestags des Ende des Zweiten Weltkriegs, präsentiert. Die Reihe zeigt sechs Filme verschiedenster Herkunft und Epoche, die alle ein zentrales Thema behandeln – die Vielfalt jüdischer Erfahrungen der Nachkriegszeit. Aber welche Bedeutung kommt dabei dem Begriff der Rückkehr zu und warum gibt die Filmreihe einen Ausblick, den man nicht missen sollte?
Der Film Watermarks (2004) hat letzten Mittwoch die Halbzeit der Reihe eingeläutet und hat bei mir einen sehr besonderen Eindruck hinterlassen. Watermarks ist ein Dokumentarfilm über das Schwimmerinnen-Team des jüdischen Sportvereins Hakoah Wien, das in den 1930er Jahren zum Gesicht eines der größten Sportvereine Europas avancierte. Judith Deutsch, eine der Schwimmerinnen und österreichische Sportlerin des Jahres 1935, sollte Österreich sogar bei den Olympischen Spielen 1936 repräsentieren. Doch dazu kam es nie. Sie weigerte sich in Berlin anzutreten, woraufhin sie zunächst lebenslang vom österreichischen Sportverband gesperrt wurde und all ihre nationalen Titel aberkannt wurden. Erst 1995 wurde sie rehabilitiert. Ihre Geschichte ist jedoch nur eine von vielen der Sportler*innen von Hakoah.
Der Verein wurde nach dem Anschluss 1938 durch das NS-Regime zerschlagen und die Mitglieder verfolgt. Die meisten der Schwimmerinnen schafften es jedoch aus Österreich zu emigrieren.
Knapp 65 Jahre später hat Yaron Zilberman, Regisseur und Co-Autor, acht der Schwimmerinnen des ehemaligen Teams ausfindig gemacht und eine Rückkehr nach Wien initiiert, um das Schwimmteam von Hakoah noch einmal innerhalb und außerhalb des Beckenszusammenzuführen.
Zilberman schafft es durch Interviews mit den Frauen und den ständigen Wechseln zwischen Geschichten und Bildern aus ihrer Jugendzeit sowie ihren heutigen Leben eine sehr nahbare Atmosphäre zu schaffen. Es kommt deutlich die Last zum Vorschein, die die meisten von ihnen mit einer Rückkehr nach Wien verbinden. Eine Last, die man als Zuschauer*in wahrnehmen kann, aber wohl nie selbst nachzuvollziehen vermag. Dennoch teilen alle Schwimmerinnen auch positive Erinnerungen mit der Stadt und besonders mit Hakoah. Dieser Kontrast schafft eine bittersüße Note, die sich über die gesamte Dokumentation legt.
Watermarks zeigt damit auf, welche Bedeutung dem Begriff Rückkehr in der Filmreihe zukommt.
Auf der einen Seite kommt dem Begriff der Rückkehr in der Filmreihe genau diese vermeintlich simple Bedeutung zu. Er steht für eine Wiederbegegnung mit den eigenen Wurzeln, mit dem was einst Heimat war. Ich persönlich sehe am Beispiel von Watermarks aber auch, dass das Motiv der Rückkehr ein Symbol des Nicht-Vergessens ist. Die Rückkehr als notwendige Gegenreaktion auf das NS-Regime, das versucht hat jüdisches Leben zu verdrängen und Menschen eine Heimat nehmen wollte. In diesem Sinne steht die Rückkehr als eine Art kulturelles und historisches Mahnmal, um diese Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und Prävention zu leisten, dass so etwas nie wieder passiert.
Ich kann daher nur jeder Person ans Herz legen, Watermarks, sowie die restlichen Filme der Reihe in den Passage-Kinos anzuschauen.
Es gibt für uns noch viel zuzuhören und zu lernen!
Vinzenz Eder
