WoDkA – Wochenmeinung der kleinen Advokatin
Wer @juraleipzig auf Instagram folgt, hat es sicher mitbekommen: Ende Februar war die Universität Leipzig erstmals Austragungsort der German National Rounds der Philip C. Jessup International Law Moot Court Competition. Für viele Studierende, die sich für Völkerrecht begeistern, ist dieser Wettbewerb ein Highlight – so auch für uns: das Leipziger Team. Wir hatten die einmalige Gelegenheit, nicht nur mitzuwirken, sondern den Jessup-Wettbewerb auch in der eigenen Stadt zu erleben.
Das Völkerrecht stellt mit seinen vielschichtigen Zusammenhängen eine besondere Herausforderung dar – weniger starr als nationales Recht, oft geprägt von politischen Dynamiken und historischen Entwicklungen. Der Jessup bietet die Möglichkeit, sich intensiv mit einem fiktiven, aber realitätsnahen Streitfall zwischen Staaten auseinanderzusetzen und dabei internationales Recht abseits von Lehrbüchern kennenzulernen. Hier geht es nicht nur um Paragraphen, sondern um strategisches Argumentieren, das Entwickeln von überzeugenden Positionen und der schonungslosen Konfrontation von Idealismus und Realität.
Rückblick: Unsere Vorbereitung begann schon im September, mit der Schriftsatzphase: Monatelang wird recherchiert, analysiert und geschrieben. Dabei wurden wir von unseren fünf Studentcoaches unterstützt, die quasi in 1-zu1-Betreuung dafür sorgten, dass unsere Schriftsätze von Woche zu Woche ein bisschen besser werden.
Nach der Abgabe der Schriftsätze folgte dann die Pleadingphase. Hier ging es darum, Argumente nicht nur auf dem Papier, sondern auch mündlich überzeugend zu präsentieren. Zur Vorbereitung reisten wird nach Berlin, Frankfurt am Main und Den Haag, absolvierten so viele Probepleadings, dass uns die Argumente irgenwann zu den Ohren rauskamen und bekamen so viel Feedback, dass wir irgendwann gar nicht mehr hinterherkamen mit dem verbessern. Gewachsen ist dabei nicht nur das juristische Wissen, sondern auch die Fähigkeit, unter Druck souverän zu bleiben, mit kritischen Nachfragen umzugehen und rhetorisch sicher aufzutreten; aber vor allem: die Freund*innenschaften innerhalb des Teams.
Nach sieben Monate intensiver Vorbereitung dann der Höhepunkt: die National Rounds in der eigenen Stadt. Endlich die anderen Teams kennenlernen, mit Expert*innen des internationalen Rechts ins Gespräch kommen und dabei immer wieder feststellen, wie freundlich, aufgeschlossen und wertschätzend die Jessup-Community ist.
Dieses Jessup-Semester war intensiv – aber es hat sich mehr als gelohnt. Obwohl das Völkerrecht natürlich im Fokus steht, war es vor allem die intensive Zusammenarbeit mit dem ganzen Team, die diese Zeit so wertvoll gemacht hat. Und während die Erinnerungen an dieses Jahr noch frisch sind, beginnt schon bald die nächste Bewerbungsphase. Falls ihr also Lust auf eine Erfahrung habt, die so ganz anders ist als der Juraalltag: bewerbt euch! Die nächste Jessup-Season kommt bestimmt. 🙂
Adele Medina

